Bei den Filmfestspielen in Cannes gewann in diesem Jahr Jafar Panahis neues Werk »Ein einfacher Unfall«, seine bisher direkteste filmische Abrechnung mit dem Regime, die Goldene Palme. Nach Jahren des Berufsverbots und einer Gefängnisstrafe, aus der er nach fast sieben Monaten Haft infolge eines Hungerstreiks Anfang Februar 2023 freikam, konnte Panahi seinen Film persönlich präsentieren.
In einer Autowerkstatt traut der Mechaniker Vahid seinen Ohren nicht: Handelt es ich bei dem Mann mit dem kaputten Auto um Eqbal, »das Holzbein«, seinen Peiniger, der ihn im Gefängnis gefoltert hat? Vahid hat Eqbal niemals selbst gesehen, meint ihn aber am Quietschen der Beinprothese zu erkennen. Von Rachegedanken getrieben entführt Vahid seinen vermeintlichen Peiniger und kontaktiert die Fotografin Shiva die die kurz vor der Hochzeit stehende Braut Golrokh und ihren Mann ablichtet. Beide Frauen und der später dazukommende Streithahn Hamid wurden ebenfalls im Gefängnis von Eqbal gefoltert und sollen helfen, ihn zu identifizieren.
Panahi verarbeitet Gespräche und Erfahrungen aus eigenen Gefängniserlebnissen zu einer Parabel über oppositionelle Strömungen im Umgang mit dem Terrorregime. Es geht um Schuld und Sühne und die Frage, ob man aus Rache töten oder doch Gnade walten lassen sollte. Darüber streitet die Schicksalsgemeinschaft in sich enervierend im Kreis drehenden Wortgefechten, während sie im Lieferwagen mitsamt dem in einer Kiste eingesperrten Peiniger durch die Stadt fährt. Erneut zeichnet Panahi ein Bild der iranischen Gesellschaft. Mit Humor, der ihm hoffentlich nie abhandenkommt, erzählt er von Menschlichkeit im Ausnahmezustand und lässt seinen Film mit einem Quietschen enden.
- Iran/Frankreich/Luxemburg 2025
- Regie: Jafar Panahi
- mit Vahid Mobasseri, Mariam Afshari, Ebrahim Azizi
- 104 min
- frei ab 16