Wir zeigen den Film in unserer Reihe ‚Erinnerung wachhalten‘ am 9.11. um 18:30 Uhr. Der Film macht deutlich, wie Kriege, bei denen Ländergrenzen verschoben werden, direkt in das Leben der Menschen eingreifen und Beziehungen nachhaltig beeinträchtigen. Durch den Blick in die Vergangenheit werden Parallelen zum aktuellen Weltgeschehen sichtbar. Regisseur Dietrich Schubert wird nach dem Film zum Gespräch anwesend sein.  

»In der Familie gab es Auseinandersetzungen. Zwischen Mann und Frau, zwischen Bruder und Schwester gab es Auseinandersetzungen. Mein Schwager und mein Schwiegervater waren prodeutsch, mein Mann und ich waren probelgisch eingestellt. Aber wir wohnten unter einem Dach«, erzählt Maria Rauw-Drösch aus Rocherath von den Konflikten, die aufgrund der mehrfachen Grenzverschiebungen im 20. Jahrhundert hier immer wieder ausbrachen. Der Ort gehört zur Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Die Menschen, die hier leben, sprechen Deutsch, feiern ihre Gottesdienste in deutscher Sprache, sind aber belgische Staatsbürger.

Nach dem 1. Weltkrieg kamen die heutigen belgischen Ostkantone Eupen, Malmedy und St. Vith nach über hundertjähriger preußischer Herrschaft erstmals zu Belgien. 1940 wurden sie mit dem Deutschen Reich zwangsvereinigt, bis zur Befreiung durch die Amerikaner 1944.

Menschen unterschiedlicher Herkunft und politischer Einstellung berichten von ihrem ereignisreichen Leben. Einige mussten dreimal ihre Staatsbürgerschaft wechseln, obwohl sie Zeit ihres Lebens im selben Ort wohnten. Die Konflikte zwischen prodeutsch und probelgisch eingestellten Bewohnern hinterließen über Jahrzehnte viele Wunden in den Familien.

  • Deutschland 1994
  • Regie: Dietrich Schubert
  • Dokumentarfilm
  • 89 Min.
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