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Ganz große Filmkunst – vielleicht eine der gemeinsten, auf jeden Fall aber eine der schwärzesten Komödien aller Zeiten und abgesehen davon mit sehr viel irischem Fluidum. Martin McDonagh („Three Billboards outside Ebbing, Missouri“, „Brügge sehen … und sterben?“) erzählt in wunderschönen Bildern eine bitterböse Geschichte. Es geht um Pádraic und Colm, zwei Männer, die gute Freunde waren. Bis gestern.

Doch heute ist alles anders. Pádraic, der wie immer an Colms Tür klopft, um mit ihm in den Pub zu gehen, muss erfahren, dass Colm nicht mehr mit ihm befreundet sein will. Irgendwelche plausiblen Gründe dafür scheint es nicht zu geben, spielen aber auch gar keine Rolle. „I just don’t like you no more“, meint Colm, als sei damit alles gesagt. Für ihn trifft das offensichtlich zu. Aber Pádraic sucht verzweifelt nach Gründen für Colms Verhalten, immer in der Hoffnung, dass sich alles aufklären wird und alles wieder so wird, wie es einmal war: die festen Verabredungen, die festen Plätze im Pub, die Gespräche über dieses und jenes und anderes. Doch Colm ist ganz und gar nicht gesprächsbereit, im Gegenteil: Für den Fall, dass Pádraic ihn nicht in Ruhe lässt, fährt er Drohungen auf, die er tatsächlich absolut ernst meint, wie sich bald herausstellt. Colm ist bereit, seinen Standpunkt mit größter Konsequenz zu vertreten. Daraus entwickelt sich eine Situation, die bald eskaliert und die Beteiligten in einen Strudel überraschender Ereignisse hineinreißt.

Es wird nicht viel geredet in diesem Film, aber wenn, dann in allerfeinst geschliffenen Dialogen, und zwar in einem – in der Originalversion – ganz diskret, aber deutlich irisch angehauchten Englisch. Überhaupt wird in diesem Film die irische Lebensart gleichzeitig gezeigt und ironisiert. Also nix mit fröhlich guiness-seliger Touristenwerbung. Dazu hat McDonagh seine Handlung mit einer Unzahl von überraschenden Wendungen gespickt, die in ihrem bitterbösen Humor und mit ihrem schier überbordenden Einfallsreichtum irgendwie sehr irisch wirken, aber über eine tiefe theatrale Logik verfügen, die an griechische Tragödien erinnert, in denen dumme kleine Menschen vergeblich versuchen, sich gegen ihr Schicksal zu stemmen. Anders als bei den alten Griechen weiß man jedoch bei diesen beiden irischen Kerlen nie, was als nächstes passiert: Es kann etwas ganz schrecklich Schönes oder etwas ganz schön Schreckliches sein.

(Gabi Sikorsky, programmkino.de)

  • Irland, Großbritannien, USA 2022
  • Regie: Martin McDonagh
  • mit Colin Farrell, Brendan Gleeson, Kerry Condon, Barry Keoghan
  • Spieldauer: 109 Min
  • frei ab 16
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