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Der Film läuft in unserer Reihe „vergissmeinnicht“.
Gibt es überhaupt schlechte Filme mit Colin Firth? Einen seiner bewegendsten Auftritte liefert der Oscar-Preisträger in diesem Drama des britischen Jungfilmers Harry Macqueen, das Kamera-Maestro Dick Pope atemberaubend fotografierte. Ein langjähriges Paar bricht im Camper auf zu einer letzten Reise durch England, um Abschied zu nehmen von Freunden und Familie. Demenz lautet die furchtbare Diagnose. Und die Konsequenz: Lieber seinem Leben in Würde und selbstbestimmt ein Ende setzen statt in völliger Umnachtung perspektivlos dahin zu vegetieren – doch: wie soll der Partner damit leben? Ein höchst emotionales Drama mit philosophischer Dimension, dem sich wohl niemand entziehen kann. Schauspielkunst in makelloser Perfektion, an der kein Oscar-Weg vorbei führt!

Ein Paar mittleren Alters bricht auf im Wohnmobil zur letzten gemeinsamen Reise ihres Lebens. Sie wollen Abschied nehmen von Freunden und Verwandten, solange das noch geht. Denn Tusker (Stanley Tucci), ein Schriftsteller, ist an Demenz erkrankt. Sein Partner Sam (Colin Firth), hat seine Karriere als erfolgreicher Pianist aufgegeben, um sich voll und ganz um Tusker zu kümmern. Eine erste Rast ist in Englands naturgewaltigem Lake District geplant, wo die Schwester von Sam mit ihrer Familie lebt. Bevor der Weg zum Ziel wird, gibt es reichlich Zoff beim Ausbruch…

…Die beiden klugen Köpfe versuchen sich wacker, dem Schicksalsschlag selbstbewusst zu stellen. „Willkommen zur Demenz-Stunde auf BBC4“ betiteln sie ihre fiktive Radio-Show, bei der sie sich gegenseitig befragen. „Wie geht es dir?“ – „Gut.“ – „Lügner!“ klingen dann die Dialoge. Harmonie stellt sich wieder ein, als sich beide mit dem Fernrohr gemeinsam auf die Suche nach den Sternen begeben. Das drohende Schicksal der teuflischen Krankheit bricht sich immer wieder ihren Weg. Bei seiner Surprise-Party will Tusker spontan eine Dankesrede halten, doch dem leidenschaftlichen Schriftsteller versagen erst die Worte, dann die Erinnerung. „Man sollte nicht um jemanden trauern, der noch am Leben ist“, wird Tusker später sagen. „Du bist noch immer du! Der Typ, in den Sam sich verliebt hat“, entgegnet die Schwägerin. „Nein, das bin ich nicht. Ich sehe nur noch so aus!“, klingt die schonungslose Selbstdiagnose.Soll solch ein Leben noch lebenswert sein? Für Tusker ist die Antwort absolut klar. Sein Partner weigert sich jedoch, den selbstbestimmten Freitod zu akzeptieren. „Ich möchte in Erinnerung bleiben für den, der ich bin. Nicht für der, der ich bald sein werde“. erklärt der Schriftsteller. Und fordert: „Wenn du mich liebst, lässt du mich das tun!“…

…Auffallend angenehm gerät der Umstand, dass die sexuelle Orientierung des Pärchens in diesem Drama überhaupt keine Rolle spielt: so sieht Normalität eben einmal aus! Wie die langjährigen Partner miteinander und mit der fatalen Krankheit umgehen, überzeugt durch großartige Glaubwürdigkeit. Das liegt zum einen an dem psychologisch präzisen Drehbuch mit erstklassigen Dialogen, zum anderen an den beiden hochkarätigen Darstellern, die sich in Hochform präsentieren. Zwischen Tucci und Firth stimmt die Chemie, von jenen kleinen, intimen Momenten bis zum ganz großen Streit. Trotz des existentiellen Themas bleibt Platz für heitere Pausen: Wie sich die beiden Männer in Sams einstigem Kinderzimmer ins enge Bett zwängen, lässt sich nur mit britischem Humorhintergrund derart leichtfüßig und unangestrengt inszenieren. (programmkino.de)

Zitat Welt am Sonntag:

„Man weint nicht nur aus Mitgefühl, sondern auch vor Dankbarkeit für solche Meisterwerke.“

  • Goßbritannien  2020
  • Regie: Harry Macqueen
  • mitColin Firth, Stanley Tucci, James Dreyfuss, Pippa Haywood, Sarah Woodward
  • Spieldauer: 95 Min
  • frei ab 12
Fr. 03.12. 20:30 | Sa. 04.12. 18:00 | Mo. 06.12. 18:00