Der Film läuft in der Reihe: „Arbeitswelten“

So wie „I, Daniel Blake“, für den Loach vor einigen Jahren zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, spielt auch „Sorry we missed you“ in der nordenglischen Stadt Newcastle. Hier versucht die Familie Turner sich über Wasser zu halten, sich gegen das Unweigerliche zu stemmen. Einst bewohnten sie ein eigenes Haus, doch nach der Finanzkrise 2008 mussten sie es verkaufen und wohnen nur noch zur Miete. Während die Mutter Abbie (Debbie Honeywood) einen relativ festen Job als mobile Krankenschwester hat, schlägt sich ihr Mann Ricky (Kris Hitchen) von Aushilfsjob zu Aushilfsjob durch. Zwar war er nie wirklich arbeitslos, doch das Geld reicht dennoch vorne und hinten nicht…
…Doch nun scheint sich sein Los zu wenden: Er bekommt einen Job beim Paketdienst PDF (Parcels delivered fast – Pakete schnell geliefert), jedoch nicht als Festangestellter, sondern als Selbstständiger. Und das bedeutet, dass er sich täglich einen Lieferwagen mieten muss, auf Zeit arbeitet und für jede verspätete Lieferung Strafe zahlen muss. Um die Situation zu verbessern, überredet Ricky Abbie, ihr kleines Auto zu verkaufen, damit er sich einen eigenen Lieferwagen kaufen kann. Doch was als Beginn einer erfolgreichen Selbstständigkeit gedacht war, erweist sich rasch als Anfang vom Ende jeder Hoffnung…

…Schauplatz von „Sorry we missed you“ mag dabei zwar England sein, doch die Strukturen, die Loach und sein Drehbuchautor Paul Laverty ebenso schonungslos wie brillant aufzeigen, kann man in ganz Europa finden, in allen Ländern, in denen Sozialsysteme zunehmend schwächer werden, Profitdenken längst alles überstrahlender Raison d’être geworden ist. ( Michael Meins, programmkino.de)

 

  • Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019
  • Regie: Ken Loach
  • Darsteller: Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone, Katie Proctor
  • FSK: 12
  • Spieldauer: 101 Min.
im März