Skip to main content

Langweiliger könnte ein Leben kaum ablaufen. Im Kurort Baden-Baden lebt Thomas Brenner, fährt Taxi, weil er da besonders gut verschwinden kann, weil ihn hinter dem Steuer seines Autos niemand wahrnimmt. Nun lebt er allein in einer gesichtslosen Wohnung, sein größter Stolz ist die Sammlung an Matchbox-Autos, die penibel in einem Schaukasten eingeordnet an der Wand hängen.

Eines Tages steigen am Bahnhof der Russe Levan und seine beiden Kumpane in Thomas’ Taxe ein, zusammen mit dem Kampfhund Roxy. Der beißt beim Kauf von einem Haufen SIM-Karten eine Passantin, ein potenzielles Problem, das mit ein paar 500 Euro Scheinen aus der Welt geschafft wird. Ohnehin sind die Russen freigiebig mit ihrem Geld und Thomas nimmt es gerne an. Als Chauffeur dient er Levan, dessen Frau Liza bald zusammen mit dem Sohn Vova hinzustößt.

Aber auch als Vermittler für neue Pässe dient Thomas, seine Bekannte Sara, stellt einen Kontakt er. Doch ehe es zur Übergabe kommt, tauchen undurchschaubare Männer auf, die sich als Vertreter einer offiziellen Organisation ausgeben und Thomas als Lockvogel benutzen wollen, um Levan zu verhaften.

Allzu leicht könnte man Levan und seine Männer als Gangster bezeichnen, mit ihren finsteren Visagen, dem Kampfhund und dem vielen Geld muten sie auch wie das Klischee eines Gangsters aus Osteuropa an, aber sind sie es wirklich? Vielleicht ist Levan auch nur ein Oligarch, was zwar nicht für komplett legales Verhalten sprechen würde, aber doch ein anderes Level wäre.

Mit diesen und anderen Vorurteilen spielt der aus Georgien stammende Dito Tsintsadze, der in „Roxy“ einmal mehr Genremotiven variiert und sich dabei deutlich vom Kosmos des amerikanischen Indy-Kinos inspirieren ließ, besonders von den Coen-Brüdern. Immer wieder haben diese Jedermänner gezeigt, die unverschuldet in kriminelle Gefilde abdrifteten und dabei entdeckten, das sie gewisse Talente für krumme Dinger haben. So einer ist auch Thomas, der mit seinem Allerweltsgesicht und dem klobigen, grauen Parka kaum auffallen würde, sich aber schnell in der Rolle des Beschaffers, des Gangsters zurechtfindet, um nicht zu sagen: wohlfühlt.

Ideal besetzt in dieser Rolle wirkt Devid Striesow, dessen Blick immer eine gewisse Irritation ausdrückt, der immer leicht fehl am Platz wirkt, was seinen späteren Versuchen, Autorität und Bestimmtheit darzustellen etwas lächerlich wirken lässt. Doch solche satirischen, komödiantischen Momente sind eine Finte, lenken allzu leicht vom Kern von „Roxy“ ab. In dem geht es um Vorurteile und Klischees, um oberflächliche Wahrnehmung und versteckte Talente. Am Ende steht die Frage, wer in dieser Geschichte der wirkliche Gangster war.

  • Deutschland 2022
  • Regie: Diti Tsintsadze
  • mit Devid Striesow, Vakho Chachanidze, Camilla Borghesani, Ivan Shvedoff, Sandro Kekelidze, Thorsten Merten
  • Spieldauer: 104 Min
  • frei ab 16
Consent Management Platform von Real Cookie Banner