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Es ist sicher ein kühnes Unterfangen, die Geschichte des „deutschen Taliban“ nicht als knallharten Politthriller, sondern als erstaunlich leichtherzige Komödie zu erzählen. Aber genau damit haben Autorin Laila Stieler und Regisseur Andreas Dresen Erfolg. Sie konzentrieren sich auf Rabiye Kurnaz, die jahrelang zusammen mit ihrem Anwalt Bernhard Docke für die Freilassung ihres Sohnes Murat aus Guantanamo gekämpft hat. Auf der 72. Berlinale wurde der Film nicht nur mit Silbernen Bären für das Drehbuch und die Hauptdarstellerin prämiert, sondern auch von der Jury aus Verbandsmitgliedern mit dem Gilde-Filmpreis bedacht.

Murat Kurnaz wird von den Amerikanern gefangengenommen und im berüchtigten Gefängnis Guantanamo auf der Insel Kuba festgehalten. Als seine Mutter Rabiye davon hört, fällt sie aus allen Wolken. Sie versteht die Welt nicht mehr. Ja, ihr Sohn ist im Übermaß religiös, aber doch kein Terrorist. Sie wendet sich an den Anwalt Bernhard Docke, der Murat aus dem Gefängnis holen soll. Was folgt, ist ein jahrelanger Kampf, da niemand zuständig sein will und Murat Kurnaz in einer Art rechtslosem Raum gefangen gehalten wird. Aber Rabiye Kurnaz ist bereit, alles für ihren Sohn zu tun, und es auch mit der Regierung Bush aufzunehmen.

Die Geschichte machte damals Schlagzeilen. Sie hat filmisches Potenzial. Weil es um den Kern unserer Gesellschaft geht, um den Glauben an ein Rechtssystem, vor dem alle gleich sind. Aber in den schrillen Terrorjahren nach dem 11.9. wurde dieser Glaube ausgehöhlt. Es war plötzlich möglich, Menschen ohne Prozess oder anwaltliche Hilfe einzusperren – und das geschieht immer noch, wie sich am Ende des Films erfahren lässt.

  • Deutschland/Frankreich 2022
  • Regie: Andreas Dresen
  • mit Meltem Kaplan, Alexander Scheer
  • Spieldauer: 118 Min.
  • frei ab 6
Do. 19.05. 19:30 I Fr. 20.05. 18:00 I Sa. 21.05. 20:30 I So. 22.05. 18:00 I Mo. 23.05. 19:30