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Die Frauenquote in der Raumfahrt liegt bei zehn Prozent – nur die Gewinnerliste der Goldenen Palme von Cannes ist noch niedriger.

Eva Green gibt die französische Astronautin Sarah Loreau, die schon als Kind davon geträumt hat, einmal ins Weltall zu fliegen. Nun rückt ihr größter Wunsch in greifbare Nähe: Sie wird ausgewählt, bei der einjährigen Raummission auf der ISS dabei zu sein, die als Vorstufe für den geplanten Marsflug gilt. Mit großer Disziplin trainiert Loreau als einzige Frau im Kölner Zentrum der Europäische Weltraumorganisation ESA. So umfangreich und präzise die Vorbereitung für den großen Trip ausfällt, bleibt für die alleinerziehende Mutter stets eine Unbekannte: Die lange Trennung von ihrer siebenjährigen Tochter Stella. Droht die Mission im Weltall zur emotionalen Odyssee zu werden?

Unterstützung erzählt die Heldin von ihrem Ex-Partner Thomas (Lars Eidinger), der sich um die gemeinsame Tochter kümmern will – wenngleich der nur wenig Erziehungserfahrung besitzt und dessen Katzenhaar-Allergie für erste Dramen beim geplanten Einzug von Stella und ihrem geliebten Haustier sorgt. Professionelle Hilfe kommt von der engagierten Psychologin Wendy (Sandra Hüller), die sich im Auftrag der ESA um den Trennungsschmerz von Astronauten kümmert. Wenig zuvorkommend gibt sich derweil der amerikanischen Crew-Kollege Mike Shanon (Matt Dillon), der sich mit überheblichen Macho-Sprüchen gefällt („Du musst nicht unbedingt alles tun“).

Regisseurin Alice Winocour bietet für ihr Mutter-Tochter-Drama eindrucksvolle Kulissen auf: Vom Europäische Astronautenzentrum in Köln über das russische Gegenstück Star City bei Moskau bis zum Weltraumbahnhof Baikonur ist alles echt. „Ich wollte einen physischen Film drehen!“ betont die Regisseurin, die ihre Hauptdarstellerin, wie beim realen Training, in einer echten Humanzentrifuge schleudern lässt.

Das klassische Kind versus Karriere-Thema wird diesmal mit einem denkbar ungewöhnlichen Beispiel erzählt und holt so gleich vom Start weg die ersten Aufmerksamkeitspunkte. Die gründlich recherchierte, technisch wie menschlich realistisch wirkende Schilderung des Raumfahrt-Milieus sorgt für weitere Aha-Momente. Wie sich ein Frau in dieser Männerdomäne fühlt, wissen wohl nur jene 60 Astronautinnen, die inzwischen ins Weltall flogen – doch Eva Green gibt davon eine ziemlich glaubhafte und eindrucksvolle Vorstellung.

Wie es sich für ein starkes Drama gehört, fehlt ein starkes Schlussbild nicht. Und zum Abspann die Namen jener Frauen, die ins All gestartet sind. Eine Deutsche sucht man darunter bislang vergeblich.

  • Frankreich/Deutschland  2019
  • Regie: Alice Winocour
  • Eva Green, Zélie Boulant-Lemesle, Lars Eidinger, Matt Dillon, Sandra Hüller
  • Spieldauer: 107 Min
  • frei ab 6
Do. 29.07. 20:30 | Fr. 30.07. 18:00 | Sa. 31.07. 20:30 | So. 01.08. 20:30 | Mo. 02.08. 18:00