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Plastik ist überall, aber gewiss nicht phantastisch, oder vielleicht doch? Der ironische gewählte Titel „Plastic Fantastic“ deutet schon an, dass Isa Willinger in ihrem Dokumentarfilm nicht einfach nur die negativen Aspekte des Materials darstellt, sondern um einen differenzierten Blick bemüht ist, der auch Lobbyisten zu Wort kommen lässt, deren Aussagen neben der von Umweltaktivisten stehen.

Würde man Plastik verbieten, würde man etwa Plastikteller durch Papierteller ersetzen, hätte die Welt binnen kürzester Zeit statt eines Plastik- eben ein Papierproblem, so erklärt Baca. In den Augen des Lobbyisten ist es weniger das Plastik an sich, dass das Problem darstellt, sondern der Umgang mit ihm. Was sich auf den ersten Blick durchaus überzeugend anhört, mag auf den zweiten für Skepsis sorgen, gerade wenn man danach den Wissenschaftler Michael Braungart hört, Professor an der Leuphania Universität in Lüneburg, der von den tausenden Partikeln Mikroplastik berichtet, die in Fischen und Anderem zu finden sind, von Millionen Flip-Flops, die Tag für Tag in den Mägen von Haien landen.

Unterschiedliche Perspektiven bringt Isa Willinger in ihrem Dokumentarfilm „Plastic Fantastic“ zusammen, dessen große Stärke es ist, nicht dogmatisch oder ideologisch an sein Thema zu gehen. Statt einfach nur Aktivisten auf die Vermüllung durch Plastik schimpfen zu lassen, weist Willinger auf zwei Aspekte hin: Zum einen die enorme Verbreitung von Plastik, die einen Abschied von diesem Material praktisch undenkbar macht, zum anderen auf Methoden, nicht das Plastik durch andere Materialien zu ersetzen (was weniger zu einer Problemlösung als einer Ersetzung des einen Problems durch ein anderes führen würde), als das herkömmliche Plastik durch sozusagen besseres Plastik zu ersetzen. Dieses könnte sich dann – um beim Beispiel der Flip-Flops zu bleiben – im Haimagen auflösen, statt im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres zu führen.

Isa Willinger schafft es in „Plastic Fantastic“ ein Thema vielschichtig zu beleuchten. Umweltaktivisten aus Kenia kommen ebenso zu Wort wie Lobbyisten, offensichtlich erschütternde Bilder von Mülldeponien stehen neben Aufnahmen, in denen Plastik regelgerecht entsorgt wird. Eine differenzierte, unideologische Herangehensweise, die einem komplexen und komplizierten Thema wie dem Plastik angebracht erscheint. (Michael Meyns, programmkio.de)

  • Deutschland 2023
  • Regie: Isa Willinger
  • Dokumentarfilm
  • Spieldauer: 102 Min
  • frei ab 0
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