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Im April 2001 – und das ist kein Aprilscherz – verlor die Nationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa ein Qualifikationsspiel zur Fußballweltmeisterschaft gegen Australien mit dem sagenhaften Ergebnis von 0:31. Auch Länderspiele gegen Nachbarinselstaaten gehen mit schöner Regelmäßigkeit verloren. Das wollte der Vorsitzende des Nationalen Fußballverbandes ändern und so engagierte er 2011 einen international erfahrenen Trainer:

Thomas Rongen (Michael Fassbender) findet sich am Tiefpunkt seiner Karriere im Pazifik wieder und trainiert Spieler, die kaum geradeaus laufen können, vom geradeaus Schießen des Balles ganz zu schweigen. So zumindest schildert Taiki Waititi in seinem Spielfilm „Next Goal Wins“ die Situation, die man allerdings nicht ganz ernst nehmen sollte: Auch wenn die Story in Grundzügen stimmt, reicht sie dennoch tief und ganz bewusst in die Welt der Mythen und Legenden, was dem Geschehen einen hübsch ironischen Unterton verleiht.

Was es aber nicht ist bzw. nur auf in gewisser Weise umgedrehte Weise ist eine White Saviour-Narration, bei der ein weißer Mensch angeblich unzivilisierten, überforderten Menschen aus dem globalen Süden aus der Patsche hilft. Dezidiert weißt der Film dieses ebenso bekannte wie veraltete Erzählmuster von sich und dreht es kurzerhand um: Hier ist es nicht das abgehalfterte Team, das durch die Hilfe eines weißen Trainers auf einmal zum Erfolg findet (auch wenn am Ende natürlich ein Tor geschossen wird), hier ist es ein abgehalfterter Trainer, der durch die Konfrontation mit den Eigenarten eines durchaus skurrilen Inselvölkchens zu sich selbst findet. Ob sich das in der Realität tatsächlich so zugetragen hat sei dahingestellt, für die Dauer eines Fußballspiels  unterhält das ganz ausgezeichnet.

  • Japan 2023
  • Regie: Taika Waititi
  • mit Michael Fassbender, Oscar Kightley, Kaimana, David Fane, Rachel House
  • Spieldauer: 104 Min
  • frei ab 0
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