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Wir zeigen den Film in unserer Reihe „Gegen das Vergessen“

Autorin und Regisseurin Franziska Stünkel hat sich mit „Nahschuss“ eines Stücks deutsch-deutscher Geschichte angenommen, das so bekannt nicht ist. Sie hat die Geschichte eines Mannes fiktionalisiert, der unversehens für die Staatssicherheit der DDR tätig wird, aber an diesem System zerbricht, sie basiert aber schon auf realen Hintergründen – dem Leben von Dr. Werner Teske, der 1981 der letzte Mensch in der DDR war, der zur Todesstrafe verurteilt wurde. Sehenswert – nicht nur wegen Lars Eidingers intensiver Darstellung der Hauptfigur!

Der Ingenieur Franz Walter wird in den 1970er Jahren von der Stasi als Außendienstmitarbeiter in den Westen geschickt. Doch als er beschließt, auszusteigen, macht die Stasi ihm klar, dass es keinen Weg zurück gibt. Dank eines beeindruckenden Lars Eidinger in der Titelrolle fesselt dieses auf einer wahren Geschichte beruhende Drama bis zu seinem konsequent-radikalen Schlussbild.

Bereits in den ersten Minuten macht der Film unter der Regie von Franziska Stünkel klar, was im Zentrum der Handlung geschehen wird. Wie in der Mitte eines Sturms steht Lars Eidinger, der mit gewohnt beeindruckender Intensität seine Rolle annimmt, und macht die inneren Konflikte deutlich, die Franz‘ Entscheidungen mit sich bringen. Denn zunächst läuft alles wunderbar. Franz kann seiner Frau (wie immer großartig: Luise Heyer) dank der West-Geschenke auch im eher trostlos wirkenden Leben in der DDR etwas Besseres bieten. Und der Kollege, mit dem Franz in den Westen fährt und den Devid Striesow mit einer Mischung aus Überdrehtheit und Hilflosigkeit spielt, ist angenehm im Umgang. Doch je fieser die Methoden sind, mit denen Franz im Westen als Agent agieren muss, desto mehr wird das neue Leben für Franz zu einem Gefängnis. Die Kamera von Nikolai von Graevenitz lässt Eidinger spätestens jetzt nicht mehr aus den Augen. Immer enger wird das Bild, immer gehetzter der Blick von Franz. Die sepiafarbenen Bilder schaffen eine bedrückende Atmosphäre, die musikalische Untermalung durch den Score von Sebastian Karim Elias hält eine gute Balance zwischen Dramatik und subtil bedrohlicher Stimmung. Das alles gipfelt in einem konsequent gehaltenen Filmende, bei dem man als Zuschauer*in mit dem beklemmenden Gefühl der Ausweglosigkeit zurückbleibt, in das ein politisches System viele Menschen getrieben hat. (Film-und Medienbewertungsstelle Wiesbaden)

Prädikat: besonders wertvoll

  • Deutschland  2021
  • Regie: Franziska Stünkel
  • mit Lars Eidinger, Devid Striesow, Luise Heyer
  • Spieldauer: 111
  • frei ab 12
geplant