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Wir zeigen den Film in unserer Reihe „gegen das Vergessen“

Eine intensiv-eindrückliche Künstlerbiografie – mit großer dynamischer Wucht erzählt und gespielt.

Das Biopic erzählt die Geschichte des Schriftstellers und Künstlers Thomas Brasch, der in den 1970er Jahren den Zwängen der DDR durch den Aufbruch in den Westen entflieht, jedoch auch dort keine Erfüllung findet. Die ausdrucksstarke Bildsprache und das phänomenale Ensemble mit einem wie entfesselt aufspielenden Albrecht Schuch in der Titelrolle machen diese Künstlerbiografie zu einem filmischen Glanzstück.

Der Film in der Regie von Andreas Kleinert (Drehbuch: Thomas Wendrich) lässt die Zuschauer*innen tief eintauchen in das Erleben und Empfinden des Künstlers Thomas Brasch. Dabei vermischen sich reale Ereignisse mit Traumwelten und ganz im Sinne eines unzuverlässigen Erzählers kann man sich nie sicher sein, was Thomas Brasch wirklich erlebt hat und welche Momente überhöht sind. Erzählerisch spannt der Film einen langen Bogen, angefangen mit der Zeit in der DDR, die von politischen Restriktionen bestimmt ist, gegen welche sich Brasch auflehnt. Dem Film gelingt es, mit klaren Einstellungen in schwarz-weiß, die lebendig statt trist wirken, sowie mit einer exzellenten Ausstattung, das Leben in der DDR greifbar zu machen, ohne es zu dämonisieren. Immer betten Archivbilder die Handlung authentisch in die wahre Geschichte ein. Als Brasch mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Katarina, die Chance ergreifen kann, in den Westen zu fliehen, nutzt er sie. Doch der Film zeichnet Brasch klar auch in dieser Phase als einen ewig Getriebenen, der im Westen nicht die Erfüllung finden kann, die er sucht. Die Kamera von Johann Feindt ist dynamisch, immer ganz nah, vor allem an dem Hauptdarsteller Albrecht Schuch, der einmal mehr unter Beweis stellt, warum an ihm schauspielerisch momentan kein Vorbeikommen ist. Schuch interpretiert Brasch als einen rastlos Suchenden, in seinem weit aufgerissenen Blick mischt sich kindlich naive Unschuld mit einer fast schon verbissenen Sehnsucht nach etwas Neuem, etwas Anderem. So verleiht er Braschs Gedichtauszügen, die die Filmhandlung wie Kapitel einrahmen und in denen jede Zeile mit einem „aber…“ endet, ein Gefühl. Neben Schuch agiert ein großartiges Ensemble, allen voran Jella Haase als Katarina und Jörg Schüttauf als Braschs Vater, der als DDR-Funktionär seinen eigenen Sohn als Staatsfeind überführt und selbst gefangen ist in einem System, in dem er funktionieren muss. Mit LIEBER THOMAS ist Andreas Kleinert eine präzise Studie eines großen Künstlerlebens gelungen. Und darüber hinaus ein erhellender Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte.(Pressetext der Film-und Medienbewertungsstelle Wiesbaden)

Prädikat: besonders wertvoll

 

  • Deutschland  2021
  • Regie: Andreas Kleinert
  • mit Albrecht Schuch, Jella Haase, Ioana Iacob, Jörg Schütauff, Anja Schneider, Marlen Ulonska
  • Spieldauer: 150 Min
  • frei ab 16
Do. 02.12. 19:00 | So. 05.12. 18:00