Dr. Ruth Westheimer ist Holocaust-Überlebende, war jüdische Widerstandskämpferin und gilt seit 40 Jahren als eine der weltweit bekanntesten Sexualtherapeutinnen. Regisseur Ryan White porträtiert in seiner biografischen Doku „Fragen Sie Dr. Ruth“ eine außer-gewöhnlichen Frau, die sich Zeit ihres Lebens wie wenige andere für Offenheit und Toleranz einsetzte. Die Doku lebt von ihrer schlagfertigen, eine ungemeine Lebenskraft und Energie ausstrahlenden Hauptperson. Hinzu kommt ein gelungener Mix aus Archivmaterial, Interviews, beobachtenden Szenen und Animationen.

Wunderbare Mitschnitte ihrer Radio- („Ask Dr. Ruth“) und späteren TV-Shows geben Einblicke in ihre damalige berufliche Tätigkeit. Schwarz-Weiß-Bilder und liebevoll animierte Sequenzen führen noch weiter zurück, auch in die dunkelste Zeit ihres Lebens. In die Zeit der Nazi-Diktatur, des Krieges und als sie elternlos in einem Heim aufwuchs. Als Erwachsene lebte sie in Israel und Frankreich und wanderte schließlich in die USA aus. Selbst später noch, so sagt sie, habe sie sich lange nirgends wirklich zu Hause gefühlt. Sie suchte stets nach ihrem Platz im Leben.

Darüber hinaus schlägt White den Bogen in die Gegenwart. Er beobachtet die quirlige 90-jährige Frau in ihrem Alltag (sie bewohnt seit über 50 Jahren dieselbe zwei-Zimmer-Wohnung in New York), bei Familienbesuchen und Reisen zu früheren Aufenthaltsorten. Es ist gleichsam beachtlich und wunderbar mitanzusehen, wie umtriebig, aktiv und lebensfroh diese Person ist. Vor Energie strotzend schreibt Westheimer noch heute Bücher und beehrt Talksendungen. Und wenn sie als Off-Kommentatorin immer wieder durch den Film führt, dann bleiben die ebenso klugen wie humorvollen Äußerungen („Ich habe nie Kompromisse gemacht, selbst wenn ich mich damit unbeliebt machte“) hängen. Eine auch auf den Zuschauer übergehende Freude und Ungezwungenheit. ( Björn Schneider, programmkino.de)

  • USA 2019
  • Regie: Ryan White
  • Dokumentarfilm
  • FSK 6
  • Spieldauer: 100 Min.
Do. 22.10 um 18:00 | Mo. 26.10. um 15:00