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Nach drei Oscar-Nominierungen will der „Herr der Ringe“-Star und Publikumsliebling Viggo Mortensen zeigen, dass er mehr im kreativen Köcher hat und wirft als Autor und Regisseur seinen Hut in den Ring. Er spielt den sensiblen, schwulen Sohn, dessen autoritärer Vater seine sexuelle Orientierung nie akzeptierte. Die zunehmende Demenz steigert die Schroffheit des sturen Alten und bringt die Geduld seiner Angehörigen bis an die Grenzen. Mit psychologischer Präzision entwickelt Mortensen ein enorm bewegendes, gänzlich kitschfreies Drama, das unter die Haut geht – da könnte glatt die nächste Oscar-Nominierung winken.

…„Erik und ich sind die Mutter!“ antwortet John (Viggo Mortensen) geduldig, als sein homophober Vater Willis (Lance Henriksen) wie üblich seine üblen Beleidigungen liefert und abschätzig nach dem Wohlergehen seiner adoptierten Enkeltochter fragt. Auch für Johns Ehemann Eric hat Willis nur Verachtung übrig: „Aus welchem Teil von Japan kommst du?“ raunzt er ihn an. „Er ist Chinese“, klärt die kleine Tochter auf. Der von Demenz bedrohte Witwer ist aus dem Mittleren Westen angereist, Sohn und Tochter wollen ihn näher um sich haben und nach einem passenden Haus suchen. „Kalifornien ist für Schwanzlutscher!“ kommentiert der mürrische Alte die gut gemeinten Umzugspläne seiner Kinder…

…In Zeiten von ansteigendem Hass und Homophobie lässt sich dieses berührende Familiendrama durchaus als Parabel für die Gesellschaft sehen. Die queere Familie mit Kind und Empathie-Potenzial als zukunftsträchtige Perspektive. Rücksichtslose Rechthaber mit chronischem Aggressions-Problem als klares Auslaufmodell. Seinen Regie-Einstand hat der „Herr der Ringe“-Recke und Publikumsliebling mit Bravour bestanden. (Dieter Oßwald, programmkino.de)

Dieter Oßwald

  • USA 2020
  • Regie: Viggo Mortensen
  • mit Viggo Mortensen, Lance Henriksen, Laura Linney, David Cronenberg
  •  frei ab 12
  • Spieldauer: 112 Min.
geplant