Der Film läuft im Rahme der interkulturellen Woche.

„Wir schaffen das!“ sagte Angela Merkel 2015 und hatte dabei die Rechnung vielleicht ohne das Volk gemacht. Immer mehr Migranten, Flüchtlinge, irgendwie „Fremde“ fühlen sich in Deutschland inzwischen nicht mehr ganz so wohl; mit Recht? Um diese Fragen kreist Visar Morinas großartiger Film „Exil“ in dem Mišel Matičević einen eigentlich perfekt integrierten Kosovo-Albaner spielt, der plötzlich an allem zweifelt.

Am Anfang hängt eine tote Ratte am Zaun des Reihenhauses in der gesichtslosen, sehr deutschen Vorstadtsiedlung, in der Xhafer (Mišel Matičević) wohnt. Aus dem Kosovo stammt er, arbeitet bei einem Pharmaunternehmen, ist mit Nora (Sandra Hüller) verheiratet und hat drei Kinder. Auf den ersten Blick könnte Xhafer nicht besser integriert sein, doch das Gefühl, irgendwie nicht richtig dazuzugehören nagt an ihm.

Die E-Mail zu einer Verlegung der wichtigen Versammlung in seiner Firma hat er nicht bekommen. Ein Versehen, ein leicht erklärbarer Computerfehler? Vielleicht. Ein Kollege verlangt plötzlich Einsicht in Untersuchungsergebnisse. Reine Routine? Wer weiß. Spätestens wenn plötzlich der Kinderwagen vor dem Reihenhaus in Flammen steht, scheint klar: Jemand hat es auf Xhafer abgesehen.

Immer dichter wird das Gefühl der Verfolgung, immer realer die Paranoia. Immer wieder tigert Xhafer durch die Gänge seiner Firma, die Kamera ganz dicht an ihm dran, so dicht, dass sein verschwitzter Nacken sichtbar wird. Niemand glaubt ihm, sein Büro-Kollege nicht, aber auch Nora nicht. Eine „ach so benachteiligte Seele“ nennt sie ihn, er wirft ihr vor, nicht zu verstehen wie das ist, ein Fremder zu sein.

Immer misstrauischer wird Xhafer, gegenüber allem und jedem. Keinen Satz kann er hinnehmen, ohne ihn zu hinterfragen, ohne eine versteckte Absicht zu vermuten. Zunehmend gerät sein Leben aus den Fugen, drohen alle Gewissheiten des bürgerlichen Lebens in einer deutschen Reihenhaussiedlung in Frage gestellt zu sein…

…Eine unangenehme Wahrheit zeigt Visar Morina in „Exil“, hält der Lüge vom ach so liberalen Deutschland den Spiegel vor, einer Gesellschaft, die sich gerne einbildet, offen zu sein, deren Vorurteile gegen das unbestimmte Fremde jedoch viel zu oft zum Vorschein kommt. (Michael Meyns, programmkino.de)

  • Deutschland 2020
  • Regie: Visar Morina
  • mit Mišel Matičević, Sandra Hüller, Rainer Bock, Thomas Mraz, Flonja Kodheli, Victoria Trauttmansdorff
  • FSK 12
  • Spieldauer: 121 Min.
Fr. 18.09. um 20:30 | So. 20.09. um 20:30 | Fr. 25.09. um 20:30 | So. 27.09. um 20:30