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Es sind drei Geschichten, die Laetitia Colombani miteinander verwebt und abwechselnd erzählt. Der Anfang findet in Indien statt, in der Smita mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt. Sie sind Unberührbare und gehören damit der niedrigsten Kaste an. Smita wünscht sich ein besseres Leben für ihre Tochter, weswegen die Familie eine gefährliche Reise auf sich nimmt. In Italien muss Giulia nach einem schweren Unfall ihres Vaters die Perückenmanufaktur übernehmen, aber feststellen, dass diese fast dem Ruin nahe ist. Zudem liebt sie einen Sikh, was in ihrer Gegend alles andere als toleriert wird. Sarah ist eine Anwältin in Montreal, die auf der Karriereleiter auf dem Weg nach oben ist, aber dann trifft sie ein Schicksalsschlag schwer.

Es kann für Colombani nicht leicht gewesen sein, ihren Roman auf die Erzählform eines Films mit zwei Stunden Laufzeit zu kondensieren, aber man hat nie das Gefühl, dass etwas fehlt. Zugleich verweigert sie sich auch der Versuchung, die Geschichte im Melodramatischen versinken zu lassen. Gelegenheit dazu hätte sie genug gehabt. Stattdessen wirft sie den Blick aufs weibliche Leben über Grenzen, Länder und Traditionen hinweg. Die Leben dieser drei Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein und doch verbindet sie etwas. Was, das wird am Ende klar und ist auch einigermaßen vorhersehbar.

Im Grunde werden nicht nur drei Geschichten erzählt, es stellt sich sogar das Gefühl ein, als würde man drei Filme sehen, denn Chefkameramann Ronald Plante hat für jede der drei Geschichten einen anderen Ansatz gewählt. Das beginnt bei der Farbpalette – Indien ist eher warm, Kanada kalt, Italien irgendwo dazwischen – und endet bei der Art, wie die Bilder eingefangen werden. So wirkt gerade der Teil in Indien auch sehr dokumentarisch, während etwa der italienische Teil einer gewissen Romantik nachhängt.

Colombani erzählt selbstsicher und mitreißend. Sie schafft es, dem Publikum ein Gefühl dafür zu geben, was es heißt, eine Frau zu sein, womit sie dem männlichen Publikum vielleicht ein klein wenig die Augen öffnen kann. (Peter Osteried, programmkino.de)

  • Frankreich / Kanada / Italien / Belgien 2023
  • Regie: Laetitia Colombani
  • mit Kim Raver, Fotinì Peluso, Mia Maelzer
  • Spieldauer: 121 Min
  • frei ab 12
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