Skip to main content

Drama um vier befreundete Lehrer, die ein folgenschweres Trinkexperiment beginnen.

Thomas Vinterberg hat einen Männerfilm gedreht. Mit Männern, mit denen er vorher schon Filme gedreht hat. Mads Mikkelsen. Thomas Bo Larsen. Lars Ranthe. Magnus Millang. „Das Fest“, „Die Jagd“, „Die Kommune“. Es ist ein Film über Männer. Männer, die ihr Selbstvertrauen verloren haben, die sich als Verlierer fühlen, Fremde geworden sind in ihrem eigenen Leben. Und die gemeinsam anfangen zu trinken. Als Therapie gegen das Versagen, gegen das Erstarren, geben das Vereinsamen. Sich selbst reden sie ein, es sei ein Experiment. Sie wollen die Theorie von Skårderus, der Mensch müsse unentwegt einen Alkoholpegel von 0,5 Promille haben, um optimal zu funktionieren, auf die Probe stellen. Keiner soll was merken. Das geht anfangs gut. Sehr gut sogar. Die vier Männer sind Freunde, sie arbeiten als Lehrer an derselben Schule. Auf einmal flutscht es wieder im Unterricht. Sie haben Pfiff. Die Schüler gehen mit. Auch Zuhause läuft es besser. Zuerst. Wenn sie trinken, wird auf eine schwarze Leinwand geschnitten: Da sieht man dann, wie der Alkoholpegel steigt. Es bleibt nicht lange bei 0,5 Promille. Die Sache gerät außer Kontrolle bei einem wüsten Gelage. Der eine, der sich gerade noch beschwert hat, sein Vierjähriger würde ihn im Schlaf anpinkeln, kann die Blase selbst nicht mehr halten. Ein anderer bricht bewusstlos vor der Haustür zusammen und wird dort mit verschrammtem Gesicht von einem seiner Söhne aufgefunden.

Aber „Another Round“ ist kein Trinkerfilm, wie man ihn kennt, kein „Die Tage des Weines und der Rosen“ oder „Leaving Las Vegas“, er will nicht warnen vor den Gefahren des Alkoholismus: Das wäre zu simpel, zu offensichtlich, es ist bereits impliziert in der Prämisse der Geschichte. Das Trinken, das zuerst lustig ist und dann schon sehr bald nicht mehr, ist eher der Brandbeschleuniger für das eigentliche Drama, er lässt die Männer die Dinge auf einmal ganz klarsehen. Die Männer müssen konfrontieren, was falsch läuft in ihrem Leben. Der Trümmerhaufen lässt sich jetzt nicht mehr leugnen. Darum geht es wirklich in diesem so leicht erzählten und doch so traurigen und bitteren Männerfilm, der seine Helden liebt und deshalb kein gutes Haar an ihnen lässt. Es ist klar, dass nicht alle die Kurve kriegen werden. „Es ist alles nichts wert“, sagt der eine, der davor schon geheimer Alkoholiker war und jetzt am Ende der Fahnenstange angekommen ist. Und doch lässt Vinterberg, der gut ist wie seit „Die Jagd“ nicht mehr, Gnade in der Tragödie walten. Wieder treffen sich die Freunde in dem Restaurant, in dem sie ihren verrückten Plan geschmiedet hatten. Es ist die zärtlichste und vielleicht schönste Szene, die der Regisseur je gedreht hat. Nichts ist gut, aber wenn Mads Mikkelsen tanzt, könnte es doch noch was werden. What a beautiful life. (Thomas Schultze, Blickpunkt Film)

Oscar als Bester Internationale Film

  • Dänemark 2020
  • Regie: Thomas Vinterberg
  • Mads Mikkelsen, Maria Bonnevie, Thomas Bo Larsen
  • Spieldauer: 117 Min.
  • frei ab 12
geplant