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Der Begriff „poetisch“ fällt selten ein, wenn es um eine Dokumentation geht. Vielleicht käme man bei den vielen Naturdokumentationen der BBC noch auf den Gedanken, doch auch diese leisten sich immer einen Erzähler. Sie setzen nicht ganz und gar auf die Kraft ihrer Bilder. Pieter-Rim de Kroons „Der Atem des Meeres“ ist da anders. Er befasst sich mit dem größten Marschland der Welt, dem Wattenmeer.

Dabei führt der Weg von den Niederlanden über die ostfriesischen Küsten bis nach Skallingen in Dänemark. Immer sind es die Bilder, die für sich sprechen, ob es nun Flora, Fauna oder Menschen sind, die in den Fokus des Kameramanns geraten. Schon die ersten Minuten des Films sind erhaben. Bilder einer rauen Landschaft, von schmelzendem Eis, von einem dahintosenden Wind und den Schafen, die sich ihm entgegenstellen.

Der Film lebt von seinen Details und zeigt, wie sehr sich die Landschaft verändert, abhängig von der Tages-, aber auch der Jahreszeit. Er erzählt eine Vielzahl kleiner Geschichten, die in ihrer Simplizität gefallen. Es sind die Geschichten des Lebens, wobei „Der Atem des Meeres“ die Menschen ebenso wie die Fauna behandelt. Der Mensch ist hier kein Fremdkörper, er agiert als Teil der Landschaft rund um das Wattenmeer. Das mag einem romantischen Idyll entsprechen, aber auch damit lädt der Film zum Träumen ein.

Wenn man sich von den Bildern mitreißen lässt, dann wandern die Gedanken. Nicht zwangsläufig rund um die Themen dieses Films, aber er hat eine kontemplative Wirkung. Es ist fast so, als würde man meditieren, während man „Der Atem des Meeres“ sieht.

Der Film ist dabei alles andere als still. Es ist vielmehr die natürliche Klangvielfalt, die sich hier ganz und gar entfaltet, ob das nun das Muhen von Kühen, das Reden von Menschen oder einfach nur das Rauschen des Meeres ist. Dabei erreicht das Werk eine immense Wirkkraft. Er ist Film in seiner pursten Form – etwas für die Sinne, zum Sehen, Hören und Fühlen. Ein Film, der auf die große Leinwand gehört, weil nur dort die Bilder ihre ganze Wucht entfalten können.

Peter Osteried (Blickpunkt Film)

 

 

  • Niederlande/Deutschland 2020
  • Regie: Pieter-Rim de Kroon
  • Dokumentarfilm
  • Spieldauer: 101 Min
  • frei ab 0
geplant