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Diese intelligente Komödie macht sehr viel Spaß! Gekonnt und mit gutem Timing inszeniert von Sönke Wortmann, bietet „Contra“ wunderbar geschliffene Dialoge und eine Art Rhetorik-Grundkurs fürs Publikum. Zusätzlich gibt es durchaus realistische Einblicke in die Abgründe der bundesdeutschen Universitätsszene und ein bisschen Sozialkritik. Ein rundum gelungenes Kinovergnügen.

Die Gegner stehen im Ring, der Kampf kann beginnen. Nur auf den ersten Blick sind die Rollen ungleich verteilt. Auf der einen Seite steht der Professor, ein Unsympath, den der Standesdünkel wie ein silbrig funkelnder Overall umhüllt. Doch dieser starke Mann ist bereits angeschlagen. Sein Fehlverhalten hat ihn angreifbar gemacht. Auf der anderen Ringseite: die Studentin. Sie ist weitaus stärker, als es auf den ersten Blick aussieht, denn sie hat ihre Kommilitonen auf ihrer Seite, auch wenn sie – im Gegensatz zu ihrem streitsüchtigen Gegner – überhaupt kein Interesse an einer Konfrontation hat. Und sie verfügt über eine beachtliche Energie. Doch statt sich im Hörsaal gegen den ollen Zausel zu wehren, hat sie sich einfach hingesetzt, entgeistert und vollkommen perplex, keines Wortes mächtig. Und hier liegt das Problem, für dessen Lösung sich Professor Pohl anbietet. Er will ihr zeigen, wie sie sich mit Worten durchsetzen kann, ihr eine Art Grundausrüstung fürs künftige Berufsleben geben. Schließlich lässt sich Naima überzeugen und macht mit. Die erste Runde des Debattierwettbewerbs steht kurz bevor, und es gibt viel zu tun…

…Das Drehbuch, das sich stark an die französische Komödie LE BRIO anlehnt (dt.: Die brillante Mademoiselle Neïla), spielt übermütig mit Klischees und Vorurteilen, und zwar teilweise dermaßen radikal, dass man manchmal nach Luft schnappt. Da wird in alle Richtungen getreten. Nur am Ende wird ein klitzekleines bisschen Pathos produziert. Aber es gibt auch ernsthafte Ansätze, beispielsweise in der Fragestellung, welche Chancen eigentlich junge Leute hierzulande haben, die nicht aus einem akademischen Elternhaus kommen und vielleicht zusätzlich weiblich und Migrantenkinder sind. Neben dem Mut zur frechen Satire und dem Spiel der beiden Hauptdarsteller ist es diese leise, stets gegenwärtige und ganz selbstverständliche Gesellschaftskritik, die den Film besonders auszeichnet, ohne ihn zu dominieren. Denn dieser Film ist vor allem eines: beste Kinounterhaltung!

(Gaby Sikorski, programmkino.de)

 

  • Deutschland 2020
  • Regie: Sönke Wortmann
  • mit Nilam Farooq, Christoph Maria Herbst, Hassan Akkouch, Ernst Stötzner, Meriam Abbas, Mohamed Issa
  • Spieldauer: 104 Min
  • frei ab 12
Do. 25.11. 18:00 | Fr. 26.11. 18:00 | Sa. 27.11. 21:00 | So. 28.11. 18:00 | Mo. 29.11. 15:00