weiblich – mutig – selbstbestimmt

Inspiriert von der Aufbruchstimmung des Arabischen Frühlings erzählt der Debütfilm von Regisseurin Manele Labidi von einer selbstbewussten jungen Frau, die nach dem Studium der Psychologie in Frankreich zurück in ihre tunesische Heimat kehrt. Obwohl anfangs belächelt, kann sie sich bald vor Terminen in ihrer Psychologiepraxis kaum retten. Exzellent besetzt mit Golshifteh Farahani, erzählt die angenehm leichte Komödie auf humorvolle Weise von den Schwierigkeiten eines Volkes beim Aufbruch in ein neues Zeitalter.

Im Alter von zehn Jahren ist Selma mit ihren Eltern von Tunis nach Frankreich ausgewandert, ist dort zur Schule gegangen und hat studiert. Von einem Autoverkäufer wird sie nun bei ihrer Rückkehr als Immigrantin beschimpft, ihr Onkel ist nicht der einzige, der sich darüber wundert, als sie kundtut, eine Praxis als Psychoanalytikerin eröffnen zu wollen. „Wir haben Gott, wir brauchen diesen Quatsch nicht“, sagt er. Doch siehe da: der eine oder die andere hat doch allerlei auf dem Herzen, was bei aller für dieses Volk so typischen Plapperfreudigkeit jedoch besser nicht öffentlich angesprochen wird, sondern vielleicht eben doch nur hinter verschlossenen Türen bei einer neutralen Person des Vertrauens. Wobei es auch Klienten gibt, die bei den Stichworten „Dame aus Frankreich“ und „Couch“ an ein erotisches Angebot denken, oder prüfen, ob nicht irgendwo Abhörtechnik versteckt ist.
  • Tunesien/Frankreich 2019
  • Regie: Manele Labidi
  • Darsteller:Golshifteh Farahani, Majd Mastoura, Hichem Yacoubi, Feriel Chamari, Ramla Ayari, Najoua Zouhair, Jamel Sassi
  • FSK 6
  • Spieldauer: 89 Min.
ab 06.08.