Im Juni

Nur eine Frau

2008 wurde in Berlin eine Brücke nach Hatan Aynur Sürücü benannt. Das zeigt, dass der sogenannte „Ehrenmord“ an Aynur, die 1982 als Tochter sunnitischer Kurden aus der Türkei in Berlin geboren und 2005 von ihrem jüngsten Bruder Nuri hingerichtet wurde, nicht vergessen ist. Im Gegenteil, der Fall, der damals als Beleg für Fehlleistungen bei der Integration großes Aufsehen erregte, zeigt, dass noch immer Handlungsbedarf besteht. Denn Zwangsheiraten gibt es auch weiterhin. 14 Jahre nach dem Mord hat sich Sherry Hormann des brisanten Themas angenommen, gestützt auf ein Sachbuch, Gerichtsakten und Interviews mit Zeitzeugen. Ihr packendes Filmporträt läuft demnächst als Weltpremiere auf dem Tribeca Festival.
Am Anfang steht die Ermordung. Wie kam es dazu? Aynur selbst erzählt im fiktiven Rückblick aus dem Off ihre Lebensgeschichte. 1998 wird die 15-Jährige von ihrer Familie mit einem Cousin in Istanbul zwangsverheiratet. Vor dem gewalttätigen Ehemann flieht sie hochschwanger zu ihren Eltern. Diese missbilligen ihr Verhalten und wollen sie zurückschicken. Doch Aynur bleibt und bringt Sohn Can zur Welt. Weil das Baby ihre drei Schwestern nervt, wird Aynur in die Besenkammer verbannt. Gegen den Widerstand der Familie zieht sie in ein Heim für Alleinerziehende. Als sie das Kopftuch ablegt, eine Ausbildung als Elektroinstallateurin macht und eine eigene Wohnung bezieht, belästigen drei ihrer vier Brüder sie am Telefon und beschimpfen sie als Hure. Dabei will Aynur nur so leben wie andere deutsche Frauen, will mal tanzen gehen und einen Freund haben. Doch gerade wegen ihres „westlichen“ Lebensstils werden die Drohungen der Brüder immer bedrohlicher …

Im Juni

Fair Traders

Wirtschaften muss auch fair gehen! Das dachten sich die drei Persönlichkeiten dieses Films und begannen sich neu zu orientieren. Sina Trinkwalder, früher Leiterin einer Marketing-Agentur, fertigt heute Zero-Waste-Kleidung mit Angestellten, die auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance hätten. Der Textilingenieur Patrick Hohmann leitet zwei Großprojekte in Indien und Tansania für die Herstellung von Biobaumwolle, die er direkt vor Ort betreut und unterstützt. Und die ehemalige Pädagogin Claudia Zimmermann betreibt jetzt einen Biohof mit angeschlossenem Dorfladen in der Schweiz und engagiert sich gegen Food Waste. Die drei UnternehmerInnen befinden sich in den unterschiedlichsten Stadien ihres Lebens und ihrer beruflichen Laufbahn. Doch eins vereint sie: die tagtägliche Bemühung faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktion mit dem Kostendruck der freien Marktwirtschaft zu vereinen und zu zeigen, dass es möglich ist Erfolg und Wirtschaftlichkeit ethisch und fair zu gestalten.
Im inspirierenden Film FAIR TRADERS zeigt der renommierte Regisseur Nino Jacusso die Philosophie und Arbeit dieser drei Akteure des freien Markts und macht sie emotional miterlebbar – engagiertes Kino mit starken Bildern, das Mut macht, aktiv an der fairen Gestaltung unserer Zukunft teilzunehmen.

Im Juni

Stan & Ollie

Das Komikerduo Stan Laurel und Oliver Hardy befindet sich 1953 auf Großbritannien-Tour. Seine besten Jahre als hat es bereits hinter sich, und zu Beginn der Reise sind die Zuschauerräume entsprechend leer. Doch durch das Talent der beiden, sich immer wieder gegenseitig zum Lachen zu bringen, beginnt der Funke aufs Publikum überzuspringen. Es gelingt Stan und Ollie, alte Fans zurückzugewinnen und neue zu begeistern: Die Tour wird zum einem Riesenerfolg. Doch dann holen die Gespenster der Vergangenheit die beiden ein ...

"Es ist toll, das Duo auf der Bühne zu sehen, aber auch die berühmte Tanzszene aus „Zwei ritten nach Texas“ ist sehr prägnant. Es ist das Ende der ersten Szene des Films, nachdem man Laurel und Hardy auf dem Weg zum Set in einer langen Einstellung gefolgt ist. Was John C. Reilly und Steve Coogan hier in den Hauptrollen abliefern, ist grandios. Sie imitieren nicht nur den Tanz der beiden Komiker, sie haben deren Manierismen und den Sprachduktus perfekt drauf.

Reilly hat es da vielleicht sogar ein wenig leichter, weil er in einem Fat-Suit und hinter dickem Make-up steckt, Coogan ist da sehr viel direkter. Er trug zwar Kontaktlinsen, die auf Laurels Augenfarbe abgestimmt waren, in erster Linie ist es aber einzig und allein sein Spiel, mit dem er vom ersten Moment an ganz und gar zu Stan Laurel wird.
Wenn man „Stan & Ollie“ ansieht, hat man nicht das Gefühl, Schauspieler zu sehen, die so tun, als wären sie Laurel und Hardy. Es ist so, als würde man den beiden wirklich zusehen. Ein größeres Kompliment kann man den Akteuren, aber auch dem Film wohl kaum aussprechen." Peter Osteried (Programmkino.de)

Im Juni

Van Gogh -an der Schwelle zur Ewigkeit

Vincent Van Gogh suchte das Licht, Farben und Stimmungen – und gilt als wichtigster Maler seiner Zeit. Doch das mehrfach verfilmte Leben des Künstlers war geprägt von Leiden und Armut. Bis zu seinem Tod im Jahr 1890 verkaufte er nur wenige Bilder. In seinem neuen Film bringt Julian Schnabel, selbst Maler, van Goghs Impressionismus auf die große Kinoleinwand. Es ist die bisher wohl gelungenste Annäherung an Leben und Werk des zu Lebzeiten verkannten Genies.
In der Gegend von Arles und Auvers-sur-Oise, wohin sich Vincent van Gogh aus dem hektischen Paris zurückgezogen hat, wird er keineswegs von allen freundlich behandelt. Die Inhaberin des örtlichen Restaurants hat Mitleid mit ihm und schenkt ihm ein Notizbuch für seine Zeichnungen. Andere haben Angst vor seinen Stimmungsschwankungen, und selbst der befreundete Paul Gauguin geht auf Distanz. Allein Vincents Bruder Theo unterstützt ihn unerschütterlich.

Im Juni

Edie - Für Träume ist es nie zu spät

Jahrzehnte war Edie (Sheila Hancock) mit George (Donald Pelmear) verheiratet, eine Ehe, die ebenso freudlos und grau war, wie das Reihenhaus, in dem das Paar seit ewigen Zeiten lebt. Schon vor 30 Jahren hat George einen Schlaganfall erlitten und sitzt seitdem im Rollstuhl, ganz auf die Hilfe Edies angewiesen. Nachdem George eines morgens stirbt, versucht ihre Tochter Nancy (Wendy Morgan) Edie möglichst bald in ein Altersheim abzuschieben.

Doch Edie ist nach Jahrzehnten des ständigen Ärgers über ihren Mann, über ihr Leben und auch über ihre eigene Unfähigkeit, sich aus den Fängen einer unglücklichen Ehe zu befreien, verbittert und widerborstig. In einem alten Tagebuch liest sie von einem langgehegten Traum, den George einst verhinderte: Den Suliven zu besteigen, einen markant aufragenden Berg in den schottischen Highlands. Gesagt, getan, macht sich Edie auf eigene Faust auf den Weg und sieht sich so sehr mit einer neuen Umgebung, mit unbekannten Menschen konfrontiert, wie schon seit langen nicht mehr.


In atemberaubenden Bildern fängt der Film die Schönheit der schottischen Highlands ein und offenbart wie beiläufig die Einmaligkeit des Lebens. Der beglückende Publikumsliebling erzählt von verpassten Chancen, der Erfüllung lang gehegter Träume und vom Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.