System Error - Doku zum Prinzip Wirtschaftswachstum von Florian OpitzSystem Error - Doku zum Prinzip Wirtschaftswachstum von Florian Opitz:

Am Sonntag, 05.08., 18.00 Uhr, mit Gast

Es erscheint paradox: Wir sehen die schwindenden Regenwälder und Gletscher, wissen um die Endlichkeit der Natur und sind dennoch wie besessen vom Wirtschaftswachstum. Warum treiben wir die entsprechenden ökonomischen und finanzpolitischen Aktivitäten immer weiter, obwohl wir seit langem wissen, dass man auf einem räumlich begrenzten Planeten nicht unendlich wachsen kann? ...„Wachstum ist ähnlich unabdingbar wie die Schwerkraft“ sagt gleich zu Beginn von Florian Opitz Dokumentation Markus Kerber, langjähriger Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Als solcher ist Kerber natürlich quasi qua Amt ein Verfechter von Kapitalismus, Globalisierung und all den anderen Dingen, die zwar eine ganze Weile ganz gut funktionierten und enormen Wohlstand generierten (zumindest wenn man das Glück hatte, im richtigen Land und der richtigen Schicht geboren zu werden), aber zunehmend hinterfragt werden.... Zumindest von Menschen, die nicht dem Goldenen Kalb Wachstum hinterherlaufen, die nicht so naiv sind zu glauben, dass in einem endlichen System wie unserer Erde, in der es endliche Ressourcen gibt, unendliches Wachstum geben könnte. Erschreckenderweise ist diese Logik zwar selbst den meisten Kindern nachvollziehbar zu machen, den führenden Köpfen unseres Wirtschaftssystems aber offenbar nicht.... Bemerkenswert ruhig bleibt Opitz angesichts der Exzesse, der Absurditäten, die er aufzeigt, ordnet das vielfältige Material zu einer schlüssigen Argumentation, der kaum zu widersprechen ist und die ganz nebenbei Marx bestätigt. Statt Kapitelüberschriften zitiert Opitz immer wieder Marx, der nicht umsonst in den letzten Jahren ein bemerkenswertes Comeback als intellektueller Vorreiter und in Raoul Pecks „Der junge Karl Marx“ sogar als Kinoheld feierte. „Nach uns die Sintflut ist der Wahlspruch jedes Kapitalisten.“ zitiert Opitz Marx am Ende und nach den erschreckenden, wütend machenden 95 Minuten von „System Error“ kann man diesem Urteil über die Menschen, die unser Wirtschaftssystem bestimmen, leider nur zustimmen. (Programmkino.de)


Tango zu Besuch , Fr. 20.07., 18.30Tango zu Besuch , Fr. 20.07., 18.30:

Fünf junge Tänzerinnen und Tänzer tauchen Abend für Abend ein in die sinnlich-erotische Welt des Tango, fern seiner Heimat Argentinien: im Schwarzwald. Alle sind Single. Alle sind dem so leidenschaftlichen wie melancholischen Tanz verfallen. Alle wollen Begegnung, aufgehen im Paar, in Schönheit, Eleganz und Perfektion, und dabei auch gerne bewundert werden. Alle sind süchtig nach dem Kick, in der Umarmung mit Fremden sich selbst zu finden.

Die Erotik ist inszeniert, doch die Nähe ist echt. Das führt zu Konflikten, die das makellose Paar auf der Tanzfläche nicht zeigt. Wie viel ist Spiel, wie sehr halten die starren Geschlechterrollen des Tango gefangen? „Tango zu Besuch“ blickt hinter die perfekte Fassade, zeigt die Gegensätze und wie sie sich in der kleinen Szene auswirken. Ruben ist froh über die klare Rollenverteilung. Susanna dagegen macht sich für mehr Gleichberechtigung stark. Christian genießt die flüchtigen Kontakte mit Frauen. Helena jedoch sucht nach echter Begegnung. Joscha wiederum will vom Zwischenmenschlichen nichts wissen. Er möchte Tango zu seinem Beruf machen, damit Geld verdienen.

Schonungslos, trotzdem liebevoll und mit feinem Humor erzählt „’Tango zu Besuch“, was sich in den Tanzsälen fern von Buenos Aires abspielt. Wie in der eigenen Eleganz bleiben, wenn der Partner herumstolpert? Man muss viele Jahre trainieren, um gut zu sein, um in der Tango-Szene akzeptiert zu werden. Wer will sich da schlechte Tänze ohne Kick zumuten? Arroganz hilft, „nein“ zu sagen und um Ablehnung einzustecken. Joscha vermutet, seine Arroganz schütze ihn auch vor der extremen Nähe des Tango. So gehen die Unnahbaren wieder allein nach Hause, wenn die Musik verstummt ist, auch wenn sie auf den Partner fürs Leben gehofft haben. Glücklich oder unglücklich? Eine runde Milonga führt vom frischen Begehren zum wehmütigen Abschiedsschmerz im Zeitraffer durchs ganze Liebesdrama. Nach diesem ungewöhnlichen Tango-Film weiß man, warum fünf junge Menschen auf höchst ästhetische und berührende Art gemeinsam einsam sind.
Am Freitag, 20.07.2018. 18.30 Uhr, wird die Regisseurin, Irene Schüller anwesend sein und Fragen des Publikums beantworten. Nach der Vorstellung gibt es in der Bar Scenario des Augustiner-Klosters in Hillesheim Gelegenheit Tango-Musik zu hören, über den Film zu reden, und nicht zuletzt - Tango zu tanzen.