Juliet, Naked
Großbritannien/USA 2018

Juliet, Naked
Regie:
Jesse Peretz
mit:
Rose Byrne, Ethan Hawke, Chris O'Dowd, Duncan Thomson
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Spieldauer:
98 min.
 
"Unbedingt ansehen!" (Christine Runge)Wie kaum ein anderer Schauspieler prägte Ethan Hawke eine Generation von Kinofans, mit Filmen wie „Der Club der toten Dichter“, der „Before Sunrise“-Trilogie und „Boyhood“. Vom sensiblen Schüler mit Zivilcourage und Slacker-Antihelden zum verzweifelten Priester reicht die Spannbreite des vielseitigen 47jährigen. Als gescheiterter Rocksänger zeigt er in der wunderbar romantischen und humorvollen Tragikomödie über einen besessenen Popfan, den Erfolgsautor Nick Hornby als literarische Figur schuf, ungeahnte Talente. An seiner Seite brilliert die Australierin Rose Byrne, bekannt aus Komödien wie „Brautalarm“ oder „Bad Neighbors“. Und so besticht die gelungene Leinwandadaption nicht nur durch die Tiefe und den Witz ihrer Dialoge, sondern bietet auch qualitativ hochwertiges Schauspielerkino.

Das kleine britische Seebad Sandcliff. Dort lebt die bodenständige Annie Platt (Rose Byrne) seit Jahren unfreiwillig in einer Dreiecksbeziehung: Sie, ihr langjähriger Freund Duncan (Chris O’Dowd), und last but not least der mysteriöse Folk-Rocker Tucker Crowe (Ethan Hawke). Ihm huldigt Filmprofessor Duncan wie besessen und ist seinem Idol regelrecht verfallen. Und das obwohl nicht einmal feststeht, ob der Musiker, der vor 25 Jahren das melancholische Album „Juliet“ veröffentlichte, überhaupt existiert. Nach einem Auftritt während der Konzerttour zu diesem Album verschwand er auf einmal und ward nie mehr gesehen.

Im Internet freilich kursieren die wildesten Gerüchte über ihn. Und Duncan wird nicht müde alles auf seiner Fanseite aufzugreifen. Seine Tucker-Crowe-Sammlung füllt ein ganzes Zimmer im Souterrain. Als jedoch eines Tages ein an in adressiertes Demoband von Tucker Crowe in der Post, auftaucht, spitzt sich die Situation zu. Unter dem Titel „Juliet, Naked“ enthält es die Songs des Albums rein akustisch aufgenommen. Duncan kann sein Glück kaum fassen. Aber Annie platzt endgültig der Kragen. „Juliet Naked ist ein verzweifelter Versuch eine tote Karriere weiter auszuschlachten“, postet sie auf seinem Forum, nachdem sie den Umschlag heimlich öffnete.

Duncan ist außer sich. „Das warst du“, ereifert er sich. Der saftige Verriss bleibt nicht ohne Folgen. „Du hast ins Schwarze getroffen. Ich hätte es nicht besser sagen können“, antwortet ihr plötzlich Tucker Crowe höchstpersönlich aus den USA... ((Luitgard Koch, Programmkino.de)